Genetec befragte acht der führenden Flughäfen aus Nordamerika nach ihren Vorgehensweisen und Strategien während der Covid-19-Pandemie.
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Genetec befragte acht der führenden Flughäfen aus Nordamerika nach ihren Vorgehensweisen und Strategien während der Covid-19-Pandemie.

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So erlebten Flughäfen die Covid-19-Pandemie

Weltweit sahen sich Flughäfen nach Ausbruch der Covid-19-Pandemie mit einer beispiellosen Ausnahmesituation konfrontiert, die den Flughafenbetrieb nachhaltig verändert hat.

Das weltweite Passagieraufkommen an Flughäfen ging in der Covid-19-Pandemie nach Angaben der internationalen Flughafenvereinigung ACI World um 94,4 % zurück. In Deutschland traf es die Flughäfen München (-86,1 %) und Düsseldorf (-84,6 %) laut der Marktforschungsplattform Statista am härtesten.

Was der Lockdown für Flughäfen bedeutete

Genetec befragte acht der führenden Flughäfen aus Nordamerika nach ihren Vorgehensweisen und Strategien während der Pandemie. Dabei ging es vorwiegend darum, wie Fluggästen und Mitarbeitern ein sicheres Umfeld geschaffen und die immer neuen Vorgaben und Richtlinien der Behörden umgesetzt wurden. Alle befragten Flughäfen ergriffen die gleichen grundlegenden Maßnahmen, die auch aus anderen Bereichen bekannt sind. Dazu gehören Markierungen zur Sicherstellung der Abstandsregeln, Einrichtung zahlreicher Handdesinfektionsstationen an den Terminals oder die Anbringung von Plexiglas-Schutzwänden an diversen Interaktionspunkten. Positive Erfahrungen machten Flughäfen auch mit einer sichtbaren Präsenz von Hausmeisterpersonal auf dem Flughafen, um das Sicherheitsempfinden der Passagiere zu erhöhen.

Die Auswirkungen von Covid-19 kamen für viele überraschend. In kürzester Zeit mussten Pläne entwickelt werden, um den Flughafenbetrieb sicher fortführen zu können, alle Vorschriften einzuhalten und sowohl Reisende als auch Mitarbeiter zu schützen. Der JFK International Air Terminal sowie der Flughafen Boston Logan setzen jeweils ein Team ein, das sich mit allen Covid-19 spezifischen Problemen und Plänen auseinandersetzen sollte. Diverse Arbeitsgruppen entwickelten Ideen für Mitarbeiter, Passagiere und Mieter im Terminal, um mit den neuen Rahmenbedingungen umgehen zu können.

Wichtige Prozesse und Verfahren an Flughäfen beeinflusst

Alle befragten Flughäfen waren sich einig, dass alle Prozesse und Verfahren stark von den Vorschriften der örtlichen Behörden abhängig waren. So mussten die Flughäfen in Salt Lake City sowie Tampa sich mit verschärften Zugangsbeschränkungen zum Flughafen auseinandersetzen, die lediglich Passagieren mit Flugschein, zusätzlichen Hilfspersonen und Mitarbeitern mit Legitimationsbescheinigung den Zutritt erlaubten, um hohes Personenaufkommen in bestimmten Bereichen zu vermeiden. Der Denver International Airport machte aus dem  Economy-Parkplatz neben dem Hauptterminal einen Freiluftparkplatz für Mitarbeiter, um diese nicht per Bus von weiter entfernten Parkplätzen zur Arbeit transportieren zu müssen und vermeidbare Infektionen zu riskieren.

Einführung technischer und betrieblicher Änderungen

Der internationale Flughafen in Denver führte eine Zutrittskontrolle mit Gesichtserkennung ein, um in Bereichen mit hohem Personenaufkommen Kontakte nachverfolgen und mögliche Kontaminationen verringern zu können. Am Flughafen Chicago O'Hare wurden alle rund 40.000 Mitarbeiter mithilfe einer Mobile-App über aktuelle Informationen und Aktualisierungen laufender Prozesse und Rahmenbedingungen am Flughafen informiert.

Versuche, mit Wärmebildkameras Temperaturkontrollen an Passagieren und Mitarbeitern durchzuführen, wurden aufgrund zu hoher Fehlerquote nicht in der Praxis umgesetzt. Der Flughafen Toronto Pearson führte, gemeinsam mit der Fluggesellschaft Air Canada, ein vollständig berührungsloses System für Passagiere – vom Check-In bis zum Abflug ein, das auch nach der Pandemie die Zukunft des Reisens darstellen soll.

Was waren die größten Herausforderungen?

Die befragten Flughäfen waren sich auf die Frage nach der größten Herausforderung einig: Der Umgang mit den immer neuen Vorschriften und Richtlinien der Behörden. Für neue Anforderungen mussten Prozesse angepasst, zu Papier gebracht und verabschiedet werden. Allerdings zwangen tägliche Änderungen von Regeln und Rahmenbedingungen die Flughäfen dazu, ihre Strategien durchgehend anzupassen, teilweise noch bevor diese final umgesetzt werden konnten.

Eine große Herausforderung war die finanzielle Unsicherheit. Für die Bewältigung einiger Probleme waren teilweise größere Investitionen erforderlich. Die verantwortlichen Mitarbeiter konnten aber kaum beurteilen, wie lange das Problem andauern würde und ob eine solche Investition gerechtfertigt war, bzw. sich das neue System schon nach kurzer Zeit veraltet oder obsolet herausstellt.

Es wird außerdem darüber diskutiert, welche Abteilungen und Mitarbeiter eines Flughafens für die Durchsetzung der Maskenpflicht, die Einhaltung der Abstandsregeln sowie die Messung der Körpertemperatur zuständig sein sollten.

Welche Lösungen auch für die Zeit nach Covid-19 relevant sein können

Die bereits auf dem Toronto Pearson Airport eingeführte berührungslose Technologie ist laut allen befragten Flughäfen die Zukunft des Reisens, auch wenn die Umsetzung bisweilen recht kostspielig ist. Die Lösungen sind dabei unter anderem biometrische Gates mit Gesichtserkennungsfunktion oder virtuelle Reisepässe. Derartige Strategien werden bereits an verschiedenen Flughäfen erprobt und schrittweise eingeführt.

Der Flughafen in Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah erhielt sehr positives Feedback in Bezug auf eine neu eingeführte Reinigungslösung für drehbare Handläufe an Rolltreppen. Die kostengünstige Lösung gibt Passagieren aufgrund der guten Sichtbarkeit ein sicheres Gefühl und stellte sich als äußerst effektiv heraus, wenn es um die Hygiene auf dem Flughafengelände geht.

Wie in vielen anderen Bereichen auch hat die Digitalisierung bei Flughäfen durch die Pandemie an Fahrt gewonnen. Einige Flughäfen planen beispielsweise digitale Alternativen zu Druckerzeugnissen wie Werbe- oder Informationsbroschüren für Touristen. Der Flughafen Boston Logan verstärkte darüber hinaus den Einsatz sprachgesteuerter Systeme, nachdem man bislang vor allem auf eine digitale Beschilderung gesetzt hatte.

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Welche Lehren sich aus der Pandemie ziehen lassen

Im Zentrum jeder Maßnahme steht eine enge Zusammenarbeit und transparente Kommunikation zwischen allen Beteiligten eines Flughafens. Wenn es darum geht, das Risiko einer Virusinfektion zu mindern, dann kann Technologie dabei zwar unterstützen, stellt aber kein Allheilmittel dar. Es ist von entscheidender Bedeutung, der Allgemeinheit die Schwere eines Problems bewusst zu machen und auf notwendige Selbstkontrolle im öffentlichen Raum hinzuweisen. Die Flughäfen in Seattle Tacoma und Tampa setzten vorwiegend auf umfangreiche Kommunikationskampagnen, um das Bewusstsein zu schärfen. Dabei kamen unter anderem Blogs, Unternehmensvideos oder die Berichterstattung in nationalen Medien zum Einsatz, um eine größtmögliche Zahl potenzieller Passagiere zu erreichen. Ergänzt wurden diese Kampagnen durch proaktive Beschilderungen auf dem gesamten Flughafengelände.

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